Home->Archiv Aktuelles: 2008

Register
   
  Home
 

Archiv: Aktuelles 2008

2008 - Internationales Jahr des Planeten Erde


Vier Berichte zur Lage*

2007 - international gesehen das Jahr des Klimas, des Klimawandels und der Klimapolitik. Vom Stern-Report über den 4. Sachstandsbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), die Verleihung des Friedensnobelpreises an das IPCC und den Klima-Kommunikator Al Gore bis hin zur 13. Konferenz der Vertragsparteien der UN-Klimarahmenkonvention auf der Insel Bali - all dies zeigte, am Klimawandel kann kein Zweifel mehr bestehen. Bildlich gesprochen: die Erde hat Fieber - und das Fieber steigt.

2008 - die Vereinten Nationen rufen auf zum Internationalen Jahr des Planeten Erde. Da wird es, da muss es erneut um das Thema Klima gehen, doch zugleich um weit mehr. Es könnte nämlich sein, dass die Erde nicht nur Fieber sondern auch andere Stoffwechselkrankheiten hat - wie Gicht, Rheuma, Diabetes mellitus.

In einer historisch einmaligen, wiewohl nicht abgestimmten Aktion legen vier umfangreiche Berichte dar, wie es um den Planeten Erde derzeit bestellt ist und zukünftig bestellt sein könnte - zwei mit einem umfassenden Blick auf den globalen Wandel, zwei mit einer Fokussierung auf das vielfach als größte Herausforderung angesehene Teilproblem Klimawandel.

Struktur, Botschaft und Timing des IPCC-Berichts, an denen 450 Hauptautoren, 800 beitragende Autoren und 2.500 Revisoren mitgewirkt haben, erscheinen nachgerade genial - zumindest auf den ersten Blick. Das komplexe Thema Klimawandel wurde nicht nur in drei überschaubare Arbeitsgruppen aufgeteilt - The Physical Science Basis; Impacts, Adaptation and Vulnerability; Mitigation of Climate Change, - die Ergebnisse wurden auch zeitversetzt und an verschiedenen Orten der Welt präsentiert. Das sicherte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von Februar bis Mai 2007, und mit dem Synthese-Bericht erneut im November 2007, das führte zu einer nie da gewesenen Präsenz des Themas in den Medien - den Effekt des Nobelpreises eingeschlossen. Doch es war keineswegs nur Show - im Gegenteil.

Mit deutlichen Worten, großer Eindringlichkeit aber zugleich cool und pragmatisch wird das Wissen um die Ursachen des Klimawandels und seine Auswirkungen auf die Sektoren der Wirtschaft und die Regionen der Welt dargestellt. Die inhärente Spannung hängt eng mit der gewählten Methodik zusammen: das IPCC arbeitet mit insgesamt sechs Szenarien, welche die Spannbreite der Möglichkeiten des Klimawandels bis zum Jahr 2100 aufzeigen. Optimismus oder Pessimismus über zukünftige Entwicklungen kristallisieren sich in der Identifikation mit dem gewählten Szenario. Während der Optimist sich beim Erwärmungsszenario 2 - 2,4° C einklinkt, wird der Pessimist beim Szenario 4,9 - 6,1° C landen. Damit verbindet sich zugleich die Zugehörigkeit zu zwei "Lagern" : jenen, die eine Eindämmung (mitigation) des Klimawandels weiterhin für möglich halten, und jenen, die nur noch Anpassung (adaptation) für wahrscheinlich erachten.

Das IPCC ist, was die Aussagen über die Ursachen des Klimawandels angeht (Arbeitsgruppe I), höchst penibel; unterschiedliche Unsicherheiten werden mit ausgewählten Begriffen charakterisiert: von high agreement, much evidence bis medium agreement, medium evidence; von very high confidence bis very low confidence; von virtually certain >99% bis exceptionally unlikely <1 %.

Auch bezüglich der Auswirkungen des Klimawandels (Arbeitsgruppe II) auf die Sektoren der Wirtschaft, deren Verletzbarkeit und Reaktionsfähigkeit ist der Bericht so einfallsreich, wie keiner zuvor, eine echte Überraschung eingeschlossen: die Wälder als Klimastabilisatoren und die "Waldoption" in der Klimapolitik erhalten erstmals die nötige Aufmerksamkeit. Den regionalen Auswirkungen des Klimawandels gilt eine besondere Typologie, welche die Betroffenheit der möglichen Verbündeten einer aktiven Klimapolitik einbezieht: Wer weiß, was in der eigenen Region geschehen kann, wird sensibler mit der jeweiligen Klimainformation umgehen.

Die größten Schwächen des IPCC-Berichts liegen im Teil mitigation (Arbeitsgruppe III), den man eigentlich mit pro-aktive Klimapolitik umschreiben müsste. Doch dessen Autoren geht es weder um den üblichen Politikzyklus, noch um ein konsistentes Konzept internationaler Politik. Sie verstehen ihren Beitrag eher als "Vorüberlegungen" zu einer möglichen Politikgestaltung - eine Aufgabe also, die Andere in der Zukunft zu vollbringen haben. Dieses eingeschränkte Politikverständnis verwundert angesichts aller Dramatik, die aus den ersten beiden Teilen des Berichts herauszulesen ist. Man verständigt sich weder auf ein striktes Ziel des Klimaschutzes, beispielsweise auf das 2° C -Ziel des WBGU, noch auf konkrete Maßnahmen, beispielsweise eine CO2-Steuer, und macht auch keine Vorschläge dazu, wie der institutionelle Rahmen einer effektiven Klimapolitik auszusehen hätte. Der 4. IPCC-Bericht, der die internationale Klimapolitik grundlegend hatte reformieren sollen, hinterlässt selbst Reformbedarf.

Dieses Urteil wiederholt sich beim zweiten Bericht, wenn auch in anderer Art und Weise. Der UNDP-Bericht, der auch dieses Jahr mit großem Aufwand, in kürzester Frist und ansehnlicher Aufmachung ins Deutsche übersetzt wurde, trägt den Untertitel "Den Klimawandel bekämpfen: Menschliche Solidarität in einer geteilten Welt". Zu Beginn des 21. Jahrhunderts seien wir, so heißt es in der Einleitung, mit der ‚gnadenlosen Dringlichkeit' einer Krise konfrontiert, die Gegenwart und Zukunft miteinander verbinde: "Der Klimawandel ist das alles überragende Problem der menschlichen Entwicklung in unserer Generation" (S. 1). In vier Kapiteln werden die Herausforderungen des Klimaschutzes, die Risiken und Anfälligkeiten in einer ungleichen Welt beschrieben und die Aufgaben der Verhinderung gefährlicher Klimaänderungen und der Anpassung an das Unvermeidliche skizziert. Der Bericht ist kein genuin klimawissenschaftliches Produkt, doch die Autoren sind bemüht, die wichtigsten Ergebnisse des IPCC mit dem eigenen Mandat des UNDP zu verknüpfen, nämlich der internationalen Zusammenarbeit zur Überwindung der Armut in der Welt.

So legt sich das UNDP, anders als das IPCC, bei der Zielvorgabe auf einen Schwellenwert der Erderwärmung von 2° C über vorindustriellem Niveau fest, weil nur so gefährliche Klimaänderungen vermieden werden können, von denen die Ärmsten der Welt am stärksten betroffen wären. Bei den zu ergreifenden Maßnahmen setzt man sowohl auf die Besteuerung von CO2-Emissionen, als auch auf den Handel mit Emissionszertifikaten, weil der so ausgestaltet werden könnte, dass er den Entwicklungsländern zugute kommt. Dann aber verfällt man, wie das bei Technofreaks üblich ist, der Idee so genannter bahnbrechender Technologien, insbesondere der CO2-Sequestrierung, statt sich darauf zu konzentrieren, was auch und besonders in Entwicklungsländern Priorität haben sollte: die rasche Einführung und der umfassende Ausbau erneuerbarer Energien.

Es gibt eine Reihe anderer Ungereimtheiten, die man in einem Bericht der Vereinten Nationen eigentlich nicht erwarten würde. So widmet man sich zwar ausführlich der Anpassung an den Klimawandel in den Entwicklungsländern, macht sich aber keine Gedanken über die bevorstehenden neuen Migrationswellen - die ‚Klimaflüchtlinge'. So widmet man sich zwar sorgfältig dem Problem der Waldvernichtung in Entwicklungsländern, sieht die Lösung aber nur in einem Finanztransfer von Nord nach Süd. Eine institutionelle Lösung wird dagegen nicht in den Blick genommen, weder in Form einer UN-Konvention zum Schutz der Wälder, noch in Form eines Waldprotokolls im Rahmen der UN-Biodiversitätskonvention. Überhaupt findet sich in diesem Bericht keine ernsthafte Selbstreflexion darüber, wie es zu einer durchgreifenden Reform der Vereinten Nationen kommen könnte, in Sonderheit der notwendigen institutionellen, finanziellen und personellen Aufwertung des Umweltprogramms (UNEP) - ein eklatanter Widerspruch zu den Worten der Einleitung von der ‚gnadenlosen Dringlichkeit' einer Krise, die der Klimawandel darstellt.

Wenn die großen Worte wirklich Gewicht hätten, dann wäre den Autoren auch noch eine ganz andere Idee gekommen: In dem erneut und traditionsgemäß sehr sorgsam erstellten Indikatorenteil des UNDP-Berichts (S. 281-408) tauchen die klimarelevanten Faktoren erst an 23. Stelle (energy sources) beziehungsweise 24. Stelle (carbon dioxide emissions and stocks), nicht aber an vorderster Stelle auf. Und hätte man sich die enorm divergierenden Zahlen über erneuerbare Energien und CO2-Emissionen der untersuchten 177 Staaten und 8 Staatengruppen wirklich angesehen, hätte man daraus einen strategischen Bericht für den zukünftigen sektoralen und regionalen Klimaschutz erstellen können, wie ihn die Vereinten Nationen bisher nie erstellt haben.

Spätestens hier stellt sich auch die Frage, ob der Aufwand, der von deutscher Seite (BMZ) in die Übersetzung eines UN-Berichts investiert worden ist, nicht besser anderweitig hätte angelegt werden sollen. Was bei dem einen zuviel ist, mag bei dem anderen zu wenig sein. Dafür liefert der dritte Bericht ein Beispiel.

GEO-4 wurde von UNEP in Zusammenarbeit mit 54 Institutionen erstellt, darunter nur eine einzige deutsche Institution, ein Institut der Universität Kassel. Wer weiß, was in Deutschland an ökologischer Kompetenz vorhanden ist, wer weiß, dass es hierzulande seit 1992 einen Wissenschaftlichen Beirat für Globale Umweltveränderungen (WBGU) gibt, kann sich nur wundern und wird es bedauern, dass davon nicht mehr ins Spiel gebracht wurde - eine Aufgabe, der sich das BMU hätte widmen müssen. Was Inhalt, Botschaft und Aufmachung des Berichts angeht, ist Bedauern aber nicht angesagt - ganz im Gegenteil.

Mit GEO-4 ist ein Meilenstein der globalen ökologischen Berichterstattung erstellt worden, der höchstes Lob verdient. Auf den Seiten 498 -501 wird der Prozess beschrieben, der etwa 960 Wissenschaftler aus allen Teilen der Welt miteinander vernetzte, ein einzigartiges Datenportal schuf und über eine kooperative Abstimmung zu einem fulminanten Bericht geführt hat. Sein Anspruch ist gewaltig: GEO-4 soll eine globale, umfassende, verlässliche, wissenschaftlich fundierte und politik-relevante Bestandsaufnahme der Interaktionen zwischen Umwelt und Gesellschaft liefern und einen Ausblick in die nahe und mittlere Zukunft ermöglichen; es sollen Stand und Trends der globalen Ökologie in Relation zu den relevanten Triebkräften beschrieben, die Konsequenzen des Umweltwandels auf die Ökosystemleistungen und das menschliche Wohlbefinden ermittelt, sowie Fortschritte und Versäumnisse bei der Erreichung der multilateralen Umweltabkommen dargestellt werden. Ein Anspruch, der hohe Erwartungen erweckt. Wie werden sie erfüllt?

GEO-4 besteht aus sechs Sektionen mit zehn Kapiteln: einer Sektion über Status und Trends in den Sektoren Atmosphäre, Land, Wasser und Biodiversität; einer Sektion über die Entwicklung in sieben Regionen der Welt; einer Sektion über menschliche Dimensionen des Umweltwandels; einer Sektion Zukunft und einer Sektion Optionen der Politik. Methodisch basiert der Bericht auf der DPSIR-Interaktionsanalyse, der Analyse der Triebkräfte des Umweltwandels (drivers), der Belastung (pressures), des Status (state), der Umweltauswirkungen (impacts) und der Antworten (responses) darauf. Mit diesem Ansatz sollen die wesentlichen Komponenten der multi-dimensionalen, räumlichen und temporalen Ketten von Ursache-Wirkungs-Effekten beschrieben, welche die Interaktionen zwischen Gesellschaft und Umwelt charakterisieren. Es entsteht in der Folge ein detailliertes Bild der ökologischen Lage und der Trends in den verschiedenen Sektoren und Regionen, das mit Hilfe von 40 Tabellen, 147 Boxen und 217 Abbildungen auch optisch hervorragend präsentiert wird. Jedes Kapitel endet mit einer Betrachtung der wesentlichen Herausforderungen und Chancen. So wird deutlich, dass Umweltpolitik mehr ist als nur Klimapolitik, dass neben der De-Karbonisierung auch die De-Materialisierung der Wirtschaft und die Reduzierung des Konsums ansteht - dass der Planet Erde nicht nur Fieber hat, sondern auch die Fettsucht und die Zuckerkrankheit.

Auf diese Weise sind die abschließenden Sektionen gut vorbereitet, die - anders als der IPCC- und der UNDP-Bericht - mit politisch hoch interessanten Rezepturen aufwarten: mit vier Szenarien, die aus einer Kombination von Erzählungen (narrative storylines) und empirischen Daten bestehen: Markets First, Policy First, Security First und Sustainability First.

Höhepunkte und Endpunkte des Umweltwandels sind angesichts dieser vier möglichen Szenarien sehr verschieden: Nur auf die Kraft des Marktes zu setzen, hat andere Konsequenzen, als eine starke Umweltpolitik zu betreiben; der Sicherheitsidee anzuhängen, hat andere Effekte, als strikter Nachhaltigkeit Priorität zu geben. GEO-4 wird so nicht nur zu einer echten Herausforderung für strategisches politisches Denken, hilft nicht nur bei der individuellen Wahrnehmung und Einschätzung komplexer Phänomene, sondern ermöglicht auch die Vorbereitung eines alternativen individuellen und gesellschaftlichen Umgangs mit der Umwelt. Das ist Wissenschaft, wie sie sein soll.

In GEO-4 schneidet Europa, teils aufgrund der notwendigen Verkürzung der Argumentation, vergleichsweise allzu gut ab. Da ist es besser zu wissen, dass es, und nun schon zum vierten Male, einen eigenen europäischen Umweltbericht gibt - EEA-4, - der in differenzierter Form über die ökologische Lage in Europa und über die Erfolge und Misserfolge der europäischen Umweltpolitik berichtet. Bei diesem Bericht geht es allerdings nicht um die Europäische Union, die EU 15 und die EU 27; es geht vielmehr um Pan-Europa, das Europa, das 56 Staaten umfasst und vom Atlantischen Ozean bis zu den zentral-asiatischen Ebenen reicht.

EEA-4, an dem 30 Autoren und etwa 230 beitragende Autoren mitgewirkt haben, ist anders strukturiert als GEO-4. Nach einem Überblick über Aufbau und Methodik des Berichts geht es im zweiten Kapitel um Umwelt und Gesundheit, Luftqualität, Gewässer, Böden und Gefährliche Chemikalien. Dem folgen Kapitel über Klimawandel, Biodiversität, marine Umwelt und über die etablierten Produktions- und Konsummuster, die in Zukunft eine Schlankheitskur erforderlich machen. Auch EEA-4 ist optisch hervorragend aufbereitet und gut lesbar - mit 28 Tabellen, 106 Boxen und 117 Abbildungen. Im Anhang werden eine Fülle von ökologisch relevanten Informationen über Pan-Europa geliefert - eine Leistung für sich.

Inhaltlich endet EEA-4 anders als GEO-4. Im letzten Kapitel werden vier Sektoren analysiert, die den Umweltwandel maßgeblich beeinflussen: Landwirtschaft, Transportwesen, Energieversorgung und Tourismus. Diese Triebkräfte werden dabei mit den Prinzipien der Nachhaltigkeit konfrontiert, auf die sich Europa ernsthafter einlassen sollte, trotz aller bisher schon erreichten umweltpolitischen Erfolge: "Wir müssen den Willen zum Handeln stärken", so folgert die Direktorin der Europäischen Umweltagentur. Das erfordert Analyse, Bewertung, Kommunikation und Explikation. Der EEA-4-Bericht ist Teil der weiteren ökologischen Transformation Europas, die nicht nur für diesen Kontinent sondern für den ganzen Planeten bestimmend werden könnte.

Conclusio

Das von den Vereinten Nationen ausgerufene Internationale Jahr des Planeten Erde beginnt mit einer guten Nachricht: Die Berichterstattung über seinen Zustand und seine Veränderungen ist erheblich besser geworden; sie ist, dank der vorliegenden vier Berichte, so gut wie nie. Diese Berichterstattung muss jedoch weiter verbessert werden. Das betrifft sowohl die Methodik der Darstellung als auch ihre Reichweite. Da es sich bei ökologischen Problemen immer um Interaktionen von Gesellschaft und Natur, d.h. von ökonomischen und sozialen Systemen mit natürlichen Systemen handelt, reicht die naturwissenschaftliche Bestandsaufnahme nicht aus, die sozialwissenschaftliche muss hinzukommen. So sollte denn, um nur ein wichtiges Beispiel zu nennen, die politikwissenschaftliche Kompetenz des IPCC-Berichts in Zukunft gründlich verbessert werden. Bei allen Berichten lässt sich eine gewisse Scheu zur politischen Positionierung entdecken, doch wo immer es sich um irreversible Schäden handelt und wenn es tatsächlich um die Herausforderung des Jahrhunderts geht, muss man Farbe bekennen.

Ein anderes Fazit lässt sich für Deutschland ziehen, das immer wieder als ‚Vorreiter' des internationalen Umweltschutzes apostrophiert wird - und sich auch selbst so sieht. Wenn dem so ist, viele der in diesen Berichten behandelten Umweltprobleme aber globaler Art sind, dann gilt es grundsätzlich über die Position Deutschlands im UN-System nachzudenken. Wenn man das täte, würde schnell deutlich werden, dass sich die politische Elite des Landes um eine systematische Aufwertung der Umweltkompetenz der Vereinten Nationen - insbesondere des UNEP - einsetzen sollte, statt weiterhin - und nunmehr seit 17 Jahren vergeblich - der Idee anzuhängen, Deutschland müsse unbedingt Mitglied im UN-Sicherheitsrat werden.

Und ein Letztes: Die hier vorgestellten Berichte zur Lage des Planeten Erde sind so inhaltsschwer und faktenreich, so anregend und zukunftsträchtig, dass sie auch Anlass und Gelegenheit zur Reform unseres Bildungswesens bieten. Man muss nicht erneut auf die Vorreiter Harvard oder Yale schielen, bevor sich eine Exzellenzinitiative an deutschen Hochschulen zur Erforschung der globalen Wandels bildet. Die methodischen und statistischen Grundlagen für eine planetarische Politik - eine ‚Weltumweltpolitik' - sind gelegt, die Initiative kann jetzt beginnen.


*Die vier Berichte:

Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC): Climate Change 2007, Vol. I, 1009 S.; Vol. II, 986 S.; Vol. III, 862 S.; Cambridge: Cambridge University Press, 2007; Synthesis Report, Vol. IV, Geneva: IPCC, 2007, 104 Seiten.

United Nations Development Programme (UNDP): Human Development Report 2007/2008. Fighting Climate Change; in Deutsch: Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/2008. Den Klimawandel bekämpfen, Berlin: Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen, 2007, 440 Seiten.

United Nations Environment Programme (UNEP): Global Environment Outlook - GEO-4, Valetta, Malta: Progress Press, 2007, 572 Seiten.

European Environment Agency (EEA): Europe's Environment. The Fourth Assessment, Copenhagen: EEA, 2007, 455 Seiten.


Udo E. Simonis
Wissenschaftszentrum Berlin (WZB)

 


 
  Letzte Aktualisierung 19.12.2011, Webmaster mailen